Brief an die Bürgermeisterin vom 26. Oktober 2025

Betreff: Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und WAM zur Wiederaufnahme eines Fährbetriebs zwischen Maintal und Mühlheim

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Böttcher,
sehr geehrte Damen und Herren des Magistrats,

wir, die Interessengemeinschaft „Das Mainufer den Menschen“, haben die Anträge der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und WAM zur Kenntnis genommen, die am 28. Oktober im Ausschuss für Mobilität und Digitalisierung, sowie in der Stadtverordnetenversammlung am 3. November behandelt werden sollen.

In einem separaten Schreiben bitten wir die Stadtverordneten, den Anträgen der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und WAM zur Wiederaufnahme eines Fährbetriebes nicht zuzustimmen. Eine derartige Entscheidung wäre unter den derzeit äußerst angespannten finanziellen Rahmenbedingungen unserer Stadt fahrlässig und würde die ohnehin stark eingeschränkten Haushaltsmittel dauerhaft gefährden.

Maintal braucht eine solide, zukunftsorientierte und verantwortungsvolle Stadtentwicklung, die wirtschaftliche Vernunft und ökologische Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Wir erwarten daher, dass vor einer endgültigen Entscheidung die Ergebnisse der Untersuchung des Regionalverbandes zur Mainquerung abgewartet und ernsthaft geprüft werden. Nur auf dieser Grundlage kann eine Entscheidung getroffen werden, die im Interesse der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt liegt.

Bereits an anderer Stelle habe wir darauf hingewiesen, dass aus unserer Sicht die in den o.g. Anträgen genannte Nutzen-Kosten-Betrachtung der Ingenieurgesellschaft Habermehl & Follmann zentrale Punkte nicht berücksichtigt hat.

Die Nutzen-Kosten-Berechnung setzt ausschließlich die Steinheimer Brücke als Alternative an, während die näherliegende Rumpenheimer Fähre unberücksichtigt bleibt. Im Ergebnis würden die angenommene CO₂-Einsparung und die anderen volkswirtschaftlichen Vorteile deutlich geringer ausfallen als in der Studie dargestellt. Der volkswirtschaftliche Nutzen wurde somit überbewertet.

Ebenso werden Studien nicht berücksichtigt, die belegen, dass längere Fahrstrecken – wie sie über die Steinheimer Brücke möglich sind – im Vergleich zu kürzeren, aber verkehrsbehinderten und unterbrochenen Routen, wie sie ein Fährbetrieb darstellt, teilweise sogar geringere Emissionen verursachen. Die Brückennutzung kann also im Ergebnis umweltfreundlicher sein als der Betrieb einer Fähre.

Völlig unverständlich ist zudem, dass die Studie den Eingriff in das Naherholungsgebiet am Mainufer völlig unberücksichtigt lässt. Aus volkswirtschaftlicher Sicht müsste auch der Verlust ökologischer und gesellschaftlicher Werte systematisch einbezogen werden. Das Fehlen dieser Aspekte stellt die Vollständigkeit und Belastbarkeit der Ergebnisse insgesamt infrage.

Von zentraler Bedeutung ist schließlich auch der wirtschaftliche Aspekt. Entgegen der bisherigen Machbarkeitsstudie, die jahrelang einen wirtschaftlichen Betrieb der Mainfähre in Aussicht gestellt hatte, kommt die aktuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung der Ingenieurgesellschaft Habermehl & Vollmann zu einem gegenteiligen Ergebnis. Die Analyse zeigt eindeutig, dass ein dauerhafter Fährbetrieb betriebswirtschaftlich nicht darstellbar ist. In den verschiedenen Szenarien entstünde ein jährliches Defizit von 165.000 bis 260.000 Euro, das dauerhaft vom Steuerzahler zu tragen wären.

Vor dem Hintergrund der unberücksichtigten Punkte in der Nutzen-Kosten-Betrachtung und der noch ausstehenden Ergebnisse der Studie des Regionalverbandes bitten wir die Stadtverordneten, den Anträgen von Bündnis 90/Die Grünen und WAM nicht zuzustimmen. Eine fundierte Entscheidung kann erst auf Basis vollständiger und nachvollziehbarer Daten getroffen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz-Josef Mühlmeyer
Sprecher der Interessengemeinschaft
Das Mainufer den Menschen